Dekompressiometer              André Foulon    tauchen 1979

Wie funktioniert ein Dekometer, und wie geht man damit um? Kann man sich in jedem Fall auf die angezeigten Werte verlassen? Welche technischen Neuentwicklungen sind zu erwarten? Antworten auf diese und andere Fragen gibt Ihnen unser Bericht

Theoretische Grundlagen

Machen wir uns zunächst klar, worum es geht: Deko(mpressio)- meter sind Geräte, die während eines Tauchganges die individuelle Dekompressionssituation des Tauchers anzeigen. Bei seinem Abstieg in die Tiefe hat er sich einem steigenden Wasserdruck ausgesetzt und aus seinem Tauchgerät Luft unter diesem Umgebungsdruck ausgeatmet. Der Stickstoffanteil der Atemluft wurde unter dem erhöhten Druck verstärkt in den Geweben des Körpers gelöst. Nach bestimmten Aufenthaltszeiten, die mit wachsender Tiefe natürlich immer kürzer werden (den Nullzeiten), ist es dem Taucher nicht mehr möglich, ohne Zwischenaufenthalt zur Oberfläche zurückzukehren. Will er keinen Dekounfall erleiden, bei dem der Stickstoff in den Körpergeweben und im Blut ausperlt und neben argen Gelenkschmerzen lebensgefährliche Embolien verursachen kann, dann muß er "Dekostopps" einhalten, Wartezeiten auf 3, 6 und 9 Metern Tiefe. Diese sind wiederum abhängig von Tauchtiefe und Tauchzeit und dienen dazu, dem Stickstoff Gelegenheit zu geben, unter mäßig gesenktem Druck wieder über die Atmung den Weg nach draußen zu finden.

Die Information, wo und wie lange er zu warten hat, erhält unser Taucher entweder aus einer Tabelle, wenn er Maximaltiefe und Gesamttauchzeit vergleicht, oder automatisch von seinem Dekometer. Letzteres ist bestimmt angenehmer, ersteres Verfahren ist auf Kosten von Tauchzeit wesentlich sicherer und zuverlässiger. Sehen wir uns einmal an, wie beides funktioniert.

Prinzip Tabelle

Die Tabelle gibt für Maximaltiefe und Gesamttauchzeit bestimmte Dekostopps an. Diese Werte wurden experimentell ermittelt und gelten für gesunde Erwachsene mit normalem Gewicht. Die Eigenschaften des Stickstoffs, sich in den verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in unterschiedlichen Mengen zu lösen, wurde bei der Berechnung solcher Tabellen berücksichtigt.

Da nun Tauchgänge nicht im "Fahrstuhlverfahren" vonstatten gehen (runter, unten bleiben und wieder rauf) sondern auf wechselnden Tiefen, gewinnt man zusätzliche Sicherheit oder verliert Tauchzeit - das kann man sehen, wie man will.

Prinzip Dekometer

Der Dekometer versucht, den ganzen komplizierten Lösungsvorgang im Taucher zu simulieren. In dem Kunststoff- oder Stahlgehäuse steckt eine Gummiblase, die an eine gebogene Metallröhre, die vorne geschlossen ist, montiert wurde. Dazwischen steckt ein Sinterfilter. Beim Tauchen wirkt nun der Wasserdruck auf die Blase ein und preßt das darin eingeschlossene Gas gegen das Filter und (verlangsamt) in die Röhre dahinter. Hier steigt nun langsam der Druck, und die Röhre streckt sich. Dem Taucher wird dies über eine Zeigermechanik auf einer Skala angezeigt. Er kann dann ablesen, ob und in welcher Tiefe er anzuhalten hat. Dort heißt es einfach, so lange zu bleiben, bis der Zeiger aus dem roten Bereich herausgewandert ist. (Nachdem der Außendruck wieder gefallen ist, strömt das Gas in umgekehrter Richtung. Jetzt soll das Filter das Abnehmen der Stickstoffspannung im Taucher simulieren). Die genaue Zeit kann man vorher bestenfalls schätzen.

Zwei Haken sind an der Sache:
Das Sinterfilter ist bei seiner Aufgabe deutlich überfordert, einen brauchbaren Mittelwert für das Stickstoff-Speicher- und Abgabeverhalten einer größeren Menge von Körpergeweben zu geben. Besonders bei sehr kurzen Tauchgängen in großen Tiefen, aber auch bei langem Aufenthalt im flachen Wasser, kann man sich nicht auf Dekometer verlassen. Hier spielen dann extrem "schnelle" Gewebe, wie das Blut, oder extrem "langsame", wie Fettgewebe, eine Rolle, und das "Modell" Dekometer kommt nicht mehr mit.
Zum anderen sind Dekometer nicht gerade unempfindlich und gehen kaputt, ohne daß man ihnen dies von außen ansieht. Im Flugzeug muß man sie im Handgepäck transportieren (wie auch den Tiefenmesser), sonst nehmen sie Schaden: Es empfiehlt sich daher, den vom Hersteller in der Gebrauchsanleitung beschriebenen Sicherheitstest regelmäßig durchzuführen und das gute Stück ansonsten sorgsam zu hüten.

Elektronische Dekometer -Tauchcomputer der Zukunft?

Vorläufig bleibt uns also nichts übrig, als unser Dekometer mit Vorbehalt einzusetzen - zusätzlich zur Tabelle - anhand der wir es kontrollieren. Im Zuge der Mikroprozessorentechnik sind allerdings heute Entwicklungen im Gange, die in einen vollelektronischen "Tauchcomputer" münden werden, der so ziemlich alles kann: Nach einem elektrophysikalischen Prinzip wird der Wasserdruck und damit die Tauchtiefe gemessen. Eine Quartz-Uhr liefert die Tauchzeit, und beides wird von einem Mikroprozessor miteinander verglichen und gespeichert. Dieser Vorgang wird ständig wiederholt und die "Anhäufung" dieser Werte ist am Gerät dann als Null- oder Dekowert abzulesen.

Ein solches Gerät wäre sehr zuverlässig, denn elektronische Schaltungen dieser Art sind sehr robust. Im Falle einer Störung würde das Gerät entweder komplett ausfallen oder ein deutliches Warnsignal geben. Schließlich können im Computerprogramm die Halbwertzeiten aller wichtigen Körpergewebe gespeichert sein.

Die Ergebnisse eines solchen Geräts wären also genauso zuverlässig wie die Werte einer Tabelle, ja sogar genauer, denn wechselnde Tauchtiefen werden ja durch ständiges "Mitrechnen" berücksichtigt.


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